Werner Melis Award for the Best Memorandum for Respondent Honourable Mention ging an das diesjährige Vis Moot Team
Simone Budnik RWAlumni
28.04.2023
In den letzten 7 Monaten nahm unser 5-köpfiges Team am 30. Willem C. Vis International Commercial Arbitration Moot Court teil. Bei dem häufig nur als Vis Moot bezeichnetem Wettbewerb handelt es sich um ein simuliertes Schiedsgerichtsverfahren, bei welchem Universitäten aus der ganzen Welt gegeneinander antreten. Diese stehen sich nach dem Austausch von Schriftsätzen in mündlichen Verhandlungen vor einem Schiedsgericht gegenüber.
Die schlaflose Schriftsatzphase
Schon lange vor dem offiziellen Beginn des Wettbewerbs lernten wir uns als Team im Rahmen eines Abendessens mit Herrn Prof. Magnus und den Coaches Lisa Seeger und Clara Gilch kennen. Nachdem man nun wusste mit wem man die kommenden Monate praktisch jede Minute des Tages verbringen würde, begannen auch schon die Vorbereitungen für die Schriftsatzphase.
Die Teilnahme an der alljährlichen Frankfurt Drafting School sowie die Einführungsveranstaltungen in das Schiedsrecht durch Herrn Karl Pörnbacher und Herrn Prof. Balthasar erleichterten uns hierbei den Einstieg in eine bisher unbekannte Rechtsmaterie. Mit diesem Grundgerüst im Kopf und Kisten voller Fachliteratur in den Händen bezogen wir kurz darauf unser Team-Büro – Ein Raum, in dem wir die nächsten Monate neben rechtlichen Fragen auch viele weitere Gesprächsthemen behandelt haben.
Den richtigen Startschuss markierte jedoch die Ausgabe des zu diesjährigen Falles am 7. Oktober 2022 – auf den ersten Blick ein fehlgeschlagener internationaler Kaufvertrag bezüglich Überwachungsdrohnen. Auf den zweiten, dritten oder auch fünfzigsten Blick zeigten sich zunehmend mehr und mehr Problematiken und komplexe Zusammenhänge. Darunter auch Korruption und Täuschung. In unserer Arbeit, den besten Schriftsatz für unseren Mandanten (der zur Halbzeit wechselte) zu schreiben, erhielten wir von zahlreichen Seiten wertvolle Unterstützung. Unser Dank hierfür gilt unseren Coaches, dem Alumni-Netzwerk der Bayreuth Moot Court Association e.V., Herrn Prof. Magnus und Herrn Prof. Schmidt-Kessel. Nach der Abgabe des Kläger-Schriftsatzes und vielen schlaflosen Nächten am 8. Dezember 2022 waren wir überglücklich und gönnten uns bis zum Erhalt des gegnerischen Schriftsatzes eine kurze, aber wohlverdiente Pause.
Nur wenige Tage nach Abgabe unseres ersten Schriftsatzes erhielten wir dann auch schon den Kläger-Schriftsatz der Queen Mary University of London, auf welchen wir nun erwidern mussten. Am Verfassen des Beklagten-Schriftsatzes konnte uns auch die Weihnachtspause der Universität nicht hindern und so füllten wir die Tage über den Jahreswechsel mit zahlreichen Online-Meetings, in welchen wir unsere Vorgehensweise besprachen. Die hierfür nötige Disziplin sowie abgesagte Ski-Urlaube und weitere schlaflose Nächte zahlten sich letztlich aus. Am 26. Januar gaben wir unseren zweiten und letzten Schriftsatz mit 96 Seiten ab. Nun war es zum Greifen nah, die lang erarbeiteten Argumente endlich im Rahmen der mündlichen Phase zu präsentieren.

Das diesjährige Vis Moot Team mit den Coaches.
Aber bevor wir vom objektiv gesehen aufregenderen Teil des Vis-Moot berichten, lässt sich eines nicht abstreiten. So kräftezehrend die schriftliche Phase auch war, offenbarte diese uns eine andere Perspektive auf die juristische Arbeit. Wir lernten nicht nur mit englischen Kommentaren und ausländischer Rechtsprechung zu arbeiten, sondern auch, darauf basierende englische Schriftsätze zu verfassen. Zudem haben wir erfolgreich komplexe Probleme im Team gemeinsam angepackt und gelöst.
Heute hier, morgen dort
Keine Woche nach Abschluss der schriftlichen Phase begann der mündliche Teil des Vis Moot. In diesem traten wir in Pärchen gegen Teams anderer Universitäten an; sowohl vor Ort als auch virtuell. Zwischen Februar und April reisten wir quer durch Deutschland und vertraten bei zahlreichen Kanzlei-Events die Position des jeweiligen Mandanten mit unseren Argumenten vor erfahrenen Praktikern. Diese Events waren aus vielerlei Hinsicht hilfreich. Ausführliche Diskussionen und Feedback-Runden halfen uns sowohl im Auftreten als auch inhaltlich bei der Verbesserung unser Pleadings. Zudem konnten wir durch anschließende Get-Together nähere Einblicke in die Arbeit der Kanzleien bekommen.
Dank der finanziellen Unterstützung unserer Sponsoren, darunter auch die großzügige Förderung von RWalumni, beschränkten sich unsere Reisen nicht nur auf Deutschland. So reiste unser Team im Rahmen von Trainingswettbewerben (sog. Pre-Moots) nach Riga, Alexandria und Belgrad. Trotz langen Abenden und Augenringen als ständigen Reisebegleitern schnitt unser Team bei den Pre-Moots sehr gut ab. So gelang uns in Alexandria der Halbfinal- und in Riga sogar der Finaleinzug. In Alexandria wurden zudem drei unserer Teammitglieder als Best Oralist ausgezeichnet. Wichtiger als die Resultate war für uns jedoch, dass wir mit den Argumenten und Argumentationsweisen anderer Rechtskreise konfrontiert wurden, was essenziell für das den abschließenden Wettbewerb Finale in Wien war.
Am 31. März 2023 war es dann so weit. Im Uni-Bus reiste das Team samt Coaches für eine Woche nach Wien. Dort belagerten über 2000 Studierende und 1000 Schiedsrichter aus aller Welt die Stadt und versetzten Wien in regelrechtes Moot-Fieber. Trotz exzellenter Pleadings gelang uns leider ganz knapp nicht der Einzug in die Finalrunde. Umso mehr freute es uns, dass unser Beklagten-Schriftsatz mit dem „Werner Melis Award for the Best Memorandum for Respondent (Honourable Mention)“ ausgezeichnet wurde.

Das Vis Moot Team in Alexandria.
Lässt man die vergangenen Monate und zahlreichen Ereignisse Revue passieren, ist es schwierig einen konkreten Moment festzumachen, der besonders heraussticht. Die lange Version dieses Berichts mit allen Eindrücken und Erfahrungen wäre sicherlich noch länger als unsere Schriftsätze. Was sich klar festhalten lässt, ist, dass es jedes Mal beeindruckend war, sich gemeinsam auf eine Reise zu begeben und mit Studierenden aus aller Welt jenen Fall zu diskutieren, an dem wir alle seit Monaten arbeiteten. Es ist also klarer denn je: Jura ist doch nicht so trocken wie alle (Laien) sagen!
Wir bedanken uns ganz herzlich bei RWalumni für die großzügige Förderung, die uns die Teilnahme am Finale in Wien ermöglicht hat!